Ausstellungskonzept

„Arbeit. Bildung. Chancen. Frauenalltag um 1900 – und heute?“

Ein Ausstellungsprojekt des Silcher-Hauses Schnait und der Städtischen Museen Weinstadt

Die Themen Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind in Deutschland derzeit aktueller denn je, auch und gerade zwischen den Geschlechtern. Denn obwohl sich diesbezüglich im 20. Jahrhundert sehr viel getan hat, haben Frauen auch heute noch bei weitem nicht die gleichen Ausgangsbedingungen in Beruf und Familie wie Männer. Der Schwäbische Chorverband e. V. mit dem Silcher-Haus in Schnait und die Stadtverwaltung Weinstadt mit dem Heimatmuseum Pflaster 14 in Endersbach sowie dem Württemberg-Haus Beutelsbach wollen dieses Thema auf regionaler Ebene in einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt darstellen und dazu die Situation der Frauen um 1900 mit der von heute spiegeln. Wie lebten Frauen und Mädchen vor gut hundert Jahren in Beutelsbach oder Schnait? Wie sah ihr Alltag in Arbeit und Familie, aber auch in der Freizeit aus? Welche Bildung hatten sie? Welche Interessen? Wie sah ein durchschnittlicher Lebensentwurf aus und welche Alternativen dazu gab es?

All diesen Fragen möchte die Ausstellung an vier Standorten in Weinstadt nachspüren, und zwar immer unter dem thematischen Dreiklang „Arbeit, Bildung. Chancen.“ Unsere Heimatmuseen sind in der Regel voll von Objekten aus der fraglichen Zeit, aber so gut wie nie werden sie im Kontext der Frauengeschichte präsentiert. Das hat sich jetzt im Heimatmuseum Pflaster 14 in Endersbach geändert: Ob Haushalt mit Kochen und Waschen, Arbeit in der Landwirtschaft oder Industrie oder auch die Freizeit mit Musik und Handarbeit – fast jeder Lebensbereich der Frauen kann dort mit originalen Objekten der Zeit illustriert werden. Diese sind auch sonst in der Dauerausstellung zu sehen, werden aber jetzt durch gestalterische Interventionen hervorgehoben und auf diese Weise neu bewertet. Neben der alltäglichen Sachkultur um 1900 geht es auch um abstraktere Themen wie Vereine, privater Glaube, Ehe oder Auswanderung, die im Württemberg-Haus Beutelsbach mit originalen Dokumenten, Fotos und Objekten belegt werden. Die klassische Bildungslaufbahn vom Kinderschüle bis zu Beruf oder gar Studium nimmt das Silcher-Haus ebenso in den Blick wie das Thema Kinder und Erziehung oder Kirche. Hier sollen auch heutige Schülerinnen Weinstadts mit ihrer aktuellen Lebenswirklichkeit und ihren Perspektiven zu Wort kommen. Wie eine alternative Lebensplanung für Frauen vor 120 Jahren aussehen konnte (und auch heute noch kann), zeigt der „Satellitenstandort“ Bildungs- und Gegegnungszentrum der Stiftung Großheppacher Schwesternschaft in Beutelsbach.

Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Begleitprogramm entwickelt, das u.a. Führungen, Vorträge, Vorführ- und Mitmachaktionen sowie eine interaktive Rallye zu allen Standorten vorsieht. Überhaupt soll die interaktive Komponente der Ausstellung eine große Rolle spielen, so sind auch alle Besucher/innen eingeladen, Stellung zu beziehen und ihre Wünsche, Anregungen und Kritik zum Projekt wie zur gesellschaftlichen Wirklichkeit mitzuteilen. Ein weiteres wichtiges Anliegen der Ausstellungsmacher/innen war die nachhaltige Produktion der Ausstellung, sowohl was die Auswahl der Materialien und deren Wiederverwendbarkeit als auch die Mengenreduzierung anbelangt. Deshalb wird z. B. das Begleitheft nur leihweise ausgegeben, und die Stoffe der Ausstellungsfahnen sollen am Schluss zu Beuteln umgenäht werden.

Das Ausstellungskonzept stammt von Kerstin Müller Philipps Sohn, zur Projektgruppe gehören Karsten Michael Drohsel und Johannes Pfeffer (Schwäbischer Chorverband e. V. / Silcher-Haus Schnait), Dr. Bernd Breyvogel (Städtische Museen Weinstadt) sowie Christiane Wegner-Klafszky, Kunstschule Kunst und Keramik Weinstadt (Gestaltung). Das Projekt wird von der Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen gefördert.